Er ist 52 Jahre alt, in Eimsbüttel aufgewachsen und im Hamburger Amateurfußball viel herumgekommen – zuletzt war er beim DSC Hanseat. Die nächste Station von Turgut Ceylan ist der 1. FC Eimsbüttel. Der B-Lizenz-Inhaber ist ab sofort neuer Trainer unserer ersten Herren. Am Mittwoch stand er erstmals gemeinsam mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Vorher hat der Dortmund-Fan ein paar Fragen über sich, die Mannschaft und gemeinsame Ziele beantwortet.

Redegewandt: In seiner ersten Trainingseinheit sprach Turkut Ceylan viel mit der Mannschaft.

Redegewandt: In seiner ersten Trainingseinheit sprach Turkut Ceylan viel mit der Mannschaft.

Wie ist der Kontakt zum FC Eimsbüttel zustande gekommen?

Ich habe das Gesuch in der „Verein-sucht-Trainer“-Börse von Sport Nord gesehen und spontan euren Präsidenten Michael Bade angerufen.

Was wusstest du vorher über den Verein?

Ich bin in Eimsbüttel aufgewachsen und verfolge, was dort im Fußball passiert. Die Gründung des FCE habe ich damals mitbekommen, dann aber nicht jedes Spiel verfolgt. Weil ich mich aber immer sehr über den Hamburger Fußball informiere, ist der Verein für mich nicht komplett unbekannt.

Du hast die Mannschaft vergangenes Wochenende beim 0:7 gegen Falke beobachtet – dein Fazit des Spiels?

Für meinen Geschmack hat die Mannschaft da zu verhalten gespielt. Man hat gemerkt, sie hatte schon etwas Respekt, auch wenn das die Spieler nach außen so vielleicht nicht zugeben würden. Aber im Unterbewusstsein war das sicher so. Das hat man an der ganzen Art, wie die Mannschaft gespielt hat, gespürt. Die ersten zwei Tore waren unglücklich. Je länger das Spiel dauerte, konnte man merken, dass die Mannschaft auf jeden Fall versucht hat mitzuspielen. Das war gegen einen Gegner wie Falke schon sehr positiv. Die hatten ja nicht irgendwelche Spieler auf dem Platz. Das ist schon eine starke, erfahrene Mannschaft. Wenn Eimsbüttel etwas mutiger gespielt und etwas länger das Zu-Null gehalten hätte, wäre das Ergebnis sicher nicht ganz so extrem ausgefallen.

Was muss besser werden?

Die Mannschaft muss mehr an sich glauben, sie muss mutiger spielen. Und sie muss auch mal den schwierigen Ball spielen. Die Spieler sollen sich ruhig trauen. Oft wird zu sehr auf Sicherheit gespielt. Das muss nicht sein. Ich habe gesehen, dass individuelle Fähigkeiten bei dem ein oder anderen vorhanden sind. Das müssen wir nutzen. Aber dann müssen sich die Spieler auch untereinander Fehler verzeihen. Insgesamt müssen wir geschlossener auftreten als beim Spiel gegen Falke.

„Ich lasse gern offensiv spielen.“

Wie ist deine Philosophie vom Fußball?

Ich bin Verfechter des Offensiv-Fußballs. Ich lasse gern offensiv spielen. Zwar auch mit zwei Sechsern zur Sicherheit. Aber im Grunde genommen erwarte ich, dass die Mannschaft so schnell wie möglich ein Tor schießt. Man muss in der ersten halben Stunde so Gas geben, dass man sich fünf, sechs Chancen erspielt und ein, zwei Tore erzielt – dann ist das Ding eigentlich schon durch. So ähnlich stelle ich mir das künftig auch vor. Aber natürlich muss ich die einzelnen Spieler erst genau kennenlernen und sehe dann, was möglich ist.

Gibt es berühmte Trainer-Vorbilder für dich?

Ich gucke mir bei den Profis schon das ein oder andere ab und höre mir die Interviews an. Ich persönlich mag Jürgen Klopp sehr gern, will aber nicht sagen, dass ich so trainiere wie er. Es ist eher so, dass die Art, wie ich den Fußball interpretiere, seiner sehr nahe kommt: schneller Ballbesitz, schnelles Umschalten, schneller Abschluss.

Hast du schon Verstärkungen für die Mannschaft im Blick oder bringst sogar „eigene“ Spieler mit?

Als klar war, dass ich neuer Trainer beim FCE werde, habe ich mit drei Spielern konkret Kontakt aufgenommen. Die werden sich demnächst entscheiden, ob sie kommen. Die Zeit drängt natürlich, weil Ende August die Wechselfrist verstreicht. Aber mittelfristig plane ich schon, den FC Eimsbüttel weiter zu verstärken.

Kann die Mannschaft dieses Jahr aufsteigen?

Ja. Das ist mein Ziel und daran werden wir arbeiten.

Wie lange glaubst du, dauert es, bis deine Handschrift im Spiel der Mannschaft zu erkennen sein wird?

Selbst, wenn die Mannschaft schnell lernfähig ist, brauchen wir sicher ein viertel Jahr. Das halte ich für realistisch. Nach dieser Zeit sollten dann auch gewisse kleine Automatismen greifen.

„Starke Standards sollen unser Markenzeichen werden.“

Welche sind das?

Ich lege sehr viel Wert auf Standards. Es ist ja kein Geheimnis, dass 80 oder noch mehr Prozent der Spiele – auch im Profibereich – über Standards entschieden werden. Das soll auch unser Markenzeichen werden. Die Voraussetzungen dafür sind da: Die Mannschaft ist körperlich sehr präsent. Es sind viele robuste, große Spieler im Kader, die bei Standards ihre physische Stärke ausspielen können und sollen.

Trainierst du lieber in großen oder in kleinen Gruppen?

Um effizienter zu trainieren, sind 18 bis 20 Mann ideal. Da hat man fast zwei Teams zusammen. 25, 26 geht natürlich auch, aber dann kann man bestimmte Dinge nicht mehr ganz so fokussieren. Das Problem ist dann auch, dass das Gefälle teilweise sehr hoch ist. Und das kann einen Trainingsbetrieb auch mal stören. Aber in der Kreisklasse ist das eben einfach so. Da ist nicht jeder Spieler auf dem gleichen Level. Und das ist auch in Ordnung. Das A und O ist ohnehin, dass das Training Spaß macht.

Mal eine Frage aus dem Personaler-Handbuch: Wo siehst du den FCE in fünf Jahren?

Ich habe keine Glaskugel. Aber ich hoffe, dass wir die Mannschaft so verstärken können, dass wir bei einem Aufstieg auch in der Kreisliga eine respektable Rolle spielen. Grundsätzlich sollte das Ziel sein, dass man immer nach oben guckt. Dabei muss man aber auch immer auf dem Boden bleiben und das eigene Potenzial realistisch einschätzen.

Erzähl doch zum Schluss ein bisschen etwas über dich. Hast du weitere Hobbys außer Fußball?

Ich schwimme gern, fahre viel Fahrrad. Ansonsten ist die Familie für mich ganz wichtig – meine Frau und meine Tochter. Denen widme ich den Rest meiner freien Zeit.

Thomas Jordan